Entfernung am Einsteckschloss messen: PZ, BB und WC richtig bestimmen

Entfernung am Einsteckschloss korrekt messen: PZ, BB und WC unterscheiden, Normwerte nach DIN 18251 und DIN EN 1303 sowie Passgenauigkeit zum Beschlag prüfen.

Die Entfernung ist neben Dornmaß und Nussmaß eine der drei Kernangaben, ohne die kein Einsteckschloss und kein Türbeschlag passt. Wer beim Austausch eines alten Schlosses nur nach Optik bestellt, riskiert einen zweiten Ausbau – die Achsmaße entscheiden, nicht die Form des Stulps.

Was die Entfernung konkret beschreibt

Die Entfernung ist der Abstand zwischen der Mitte der Drückernuss (Vierkant für den Türdrücker) und der Mitte des Schlüssellochs bzw. der Profilzylinderaufnahme. Gemessen wird immer Achse zu Achse, nicht von sichtbaren Kanten oder Ausschnitträndern aus – das ist die häufigste Fehlerquelle bei Vor-Ort-Messungen.

Nach den heute in Deutschland gebräuchlichen Baumaßen gilt:

Türart Dornmaß Entfernung Zylinderaufnahme
Zimmertür (Holz, Buntbart oder PZ) 55 mm 72 mm PZ oder BB
Haustür, massiv 65 mm 92 mm meist PZ
Rohrrahmentür (Alu/Kunststoff) 35–45 mm 92 mm PZ
Sonderanfertigung / Altbau 20–100 mm 47–110 mm variiert

Die aktuell gültige DIN 18251:2020-04 („Schlösser – Einsteckschlösser und Mehrfachverriegelungen – Begriffe und Maße“) hat die früheren Teile 1 bis 3 (gefälzte Türen, Rohrrahmentüren, Mehrfachverriegelungen) zu einer reinen Maßnorm zusammengefasst; die funktionalen Anforderungen regelt seither die DIN EN 12209. In Tabelle 1 der Norm sind die genormten Nenndornmaße mit 55, 60, 65, 80 und 100 mm festgelegt – Entfernungsmaße außerhalb von 72/92 mm sind zulässig, gelten aber als Sonderfall und sollten vor der Bestellung immer nachgemessen werden.

PZ, BB und WC sauber unterscheiden

Die drei Kürzel bezeichnen nicht nur unterschiedliche Schließwerke, sondern auch unterschiedliche Bezugspunkte für die Messung.

PZ – Profilzylinderschloss. Das Schloss ist für einen Profilzylinder nach DIN 18252 vorgerichtet. Die Entfernung wird von der Nussmitte bis zur Mitte der Zylinderbohrung gemessen. PZ-Schlösser dominieren bei Haus- und Wohnungstüren, weil der Zylinder separat austauschbar und schließanlagenfähig ist.

BB – Buntbartschloss. Hier sitzt statt der Zylinderaufnahme ein Schlüsselloch für einen Bartschlüssel. Bezugspunkt ist die Mitte des Schlüssellochs. BB-Schlösser findet man vorwiegend an älteren Innentüren; sie sind nicht mit modernen Sicherheitsbeschlägen kombinierbar, da diese eine Zylinderaussparung erwarten.

WC – Bad-/Toilettenschloss. Anstelle von Schlüsselloch oder Zylinderbohrung besitzt das Schloss eine zweite Vierkantaufnahme für Drehknopf oder Olive (Symbolanzeige „Frei/Besetzt“). Die Entfernung wird zwischen den beiden Vierkantachsen gemessen. Wichtig für die Beschlagwahl: WC-Beschläge benötigen eine Notentriegelung, die von außen mit Münze oder Werkzeug bedienbar ist.

Kürzel Bedeutung Bezugspunkt der Entfernung Typischer Einsatzort
PZ Profilzylinder Nussmitte – Zylindermitte Haustür, Wohnungstür
PZW Profilzylinder mit Wechsel Nussmitte – Zylindermitte Haustür mit festem Knauf außen
BB Buntbart Nussmitte – Schlüssellochmitte Innentür, Altbau
WC Vierkant (Bad/WC) Nussmitte – zweite Vierkantmitte Bad-, WC-Tür

Diese Zuordnung stammt aus der klassischen DIN-18251-Terminologie und wird in der Praxis unverändert weiterverwendet, auch wenn die aktuelle Norm selbst nur noch Maße statt Funktionsbezeichnungen definiert.

Messung Schritt für Schritt

  1. Schloss ausbauen oder Stulp freilegen, damit die tatsächlichen Achsmittelpunkte sichtbar sind.
  2. Mit dem Messschieber oder Maßband die Distanz von Nussmitte zu Zylinder- bzw. Schlüssellochmitte abgreifen – nicht am Türblatt, sondern direkt am Schlossgehäuse.
  3. Ergebnis mit den Normwerten 72 mm oder 92 mm abgleichen; bei Abweichung liegt vermutlich eine Sonderanfertigung oder ein nachträglich versetzter Ausschnitt vor.
  4. Parallel das Dornmaß (Stulpkante bis Nussmitte) und die Nussgröße (8 mm bei Standardtüren, 9 mm bei einigen Haustür- und Sicherheitsbeschlägen) erfassen.
  5. Bei PZ-Schlössern zusätzlich den Zylinderdurchmesser und die Türblattdicke prüfen, um die passende Profilzylinderlänge nach DIN 18252 zu bestimmen.

Ein automatisierter Einsteckschloss Entfernung-Prüfer hilft, die gemessenen Werte direkt gegen die gängigen Normmaße zu spiegeln, bevor ein Ersatzschloss bestellt wird.

Warum Entfernung und Beschlag zusammen geprüft werden müssen

Ein Schloss mit korrekter Entfernung nützt wenig, wenn der Türbeschlag andere Achsabstände erwartet. Drückergarnituren sind fest auf 72 mm oder 92 mm ausgelegt – ein 92-mm-Beschlag auf einem 72-mm-Schloss führt dazu, dass entweder der Drücker oder der Zylinder nicht mittig sitzt und die Rosette klemmt.

Zusätzlich spielt bei PZ-Schlössern die Sicherheitsklassifizierung des Profilzylinders nach DIN EN 1303:2015 eine Rolle, wenn ein Austausch mit höherem Einbruchschutz geplant ist. Die Norm codiert Zylindereigenschaften in einem achtstelligen Schlüssel:

Stelle Eigenschaft Klassenspanne
1 Gebrauchskategorie 1–3
2 Dauerhaltbarkeit (Schließzyklen) 4–6
4 Brandschutzeignung 0, A, B
6 Korrosions-/Temperaturbeständigkeit 0, A–G
7 Verschlusssicherheit (Schlüsselvarianten) 1–6
8 Angriffswiderstand 0–2 (bzw. A–D je nach Ausgabe)

Für Wohnungseingangstüren empfehlen Polizei und Versicherer Zylinder mit Angriffswiderstandsklasse mindestens B, bei zusätzlichem Ziehschutz C oder D. Diese Klassifizierung sollte parallel zur Entfernung dokumentiert werden, weil ein Zylindertausch ohne Anpassung der Entfernung sonst nutzlos ist.

Häufige Fehler bei alten Türen

Bei Altbautüren ist der Ausschnitt oft nachgearbeitet, ausgeleiert oder durch mehrfachen Schlosstausch verändert worden. Typische Probleme:

  • Sichtbare Bohrungen im Türblatt stimmen nicht mit dem tatsächlichen Achsmaß des Schlosses überein, weil frühere Handwerker den Ausschnitt vergrößert haben.
  • Der Beschlag wurde einmal gewechselt, das Schloss aber nicht – dadurch driften Dornmaß und Entfernung auseinander.
  • Buntbartschlösser wurden nachträglich auf Profilzylinder umgerüstet, wobei die alte Schlüssellochbohrung als Zierblende stehen blieb.

Deshalb gilt: Immer am ausgebauten Schloss messen, nicht an den sichtbaren Spuren im Türblatt. Ein zusätzlicher Blick auf das Nussmaß über den Nussmaß-Rechner verhindert, dass ein an sich passendes Schloss am falschen Vierkant scheitert.

Vor dem Kauf gegenprüfen

Vor der Bestellung eines Ersatzschlosses oder einer neuen Drückergarnitur sollten drei Werte gemeinsam vorliegen, weil sie sich gegenseitig beeinflussen:

  • Dornmaß – bestimmt, wie tief das Schloss im Türblatt sitzt.
  • Entfernung – bestimmt, ob Drücker und Zylinder mittig zum Beschlag stehen.
  • Türblattdicke – bestimmt die benötigte Zylinderlänge und die Stulplänge.

Wenn einer dieser Werte von der Norm abweicht, reicht ein Standardschloss meist nicht aus, und es muss auf eine Sonderanfertigung mit individueller Entfernung zwischen 47 und 110 mm ausgewichen werden. Die Türblattdicke lässt sich vorab mit dem Türblatt-Check plausibilisieren, bevor eine kostenpflichtige Sonderbestellung erfolgt.

Für Schlosser und Monteure, die regelmäßig zwischen Entfernung, Nussmaß und Türblattmaß hin- und herrechnen, bündelt das Rechnerzentrum LockGauge alle drei Prüfschritte an einer Stelle – praktisch, wenn vor Ort schnell entschieden werden muss, ob ein Lagerschloss passt oder eine Sonderanfertigung nötig wird.

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