Ein falsch bestelltes Zylinderschloss ist einer der häufigsten Rückläufer im Beschlaghandel – meist, weil Maß A und Maß B vertauscht oder von der falschen Bezugskante gemessen wurden. Wer einen Doppelzylinder tauschen oder neu einbauen will, muss zwei Teilmaße getrennt erfassen und gegen die Gesamtlänge plausibilisieren, bevor bestellt wird.
Maß A und Maß B: Definition nach Praxisnorm
Beim Doppelzylinder wird nicht die Gesamtlänge als ein Wert bestellt, sondern zwei Teilmaße getrennt angegeben – analog zur Systematik in DIN 18252:2018-05 („Profilzylinder für Türschlösser – Begriffe, Maße, Anforderungen, Prüfverfahren und Kennzeichnung“), die aktuell gültige Fassung mit den Nenngrößen für Profilzylinder:
- Maß A: Abstand von der Mitte der Befestigungsschraube (Stulpschraube) bis zur Außenkante des Zylinders bzw. Beschlags auf der Türaußenseite
- Maß B: Abstand von derselben Schraubenmitte bis zur Kante auf der Türinnenseite
- Gesamtlänge: rechnerisch A + B, dient als Kontrollwert, nicht als Bestellmaß
Wichtig für die Praxis: Beim Bestellen muss klar dokumentiert sein, welche Seite außen und welche innen liegt – nicht nur „30/40″, sondern „A=30 (außen) / B=40 (innen)“. Wird das vertauscht, passt der Zylinder zwar in die Bohrung, aber Profilstift und Sicherheitskarte liegen auf der falschen Seite, und bei Panikfunktionen (innen immer frei drehbar) ist die Sicherheit nicht mehr gegeben.
Von welcher Stelle aus wird gemessen
Der Bezugspunkt ist in beiden Richtungen identisch: die Mitte der Stulpschraube (bei eingebautem Zylinder die Mitte des Schraubenkopfs, sichtbar im Türfalz). Davon ausgehend wird jeweils bis zur Außenkante des betreffenden Beschlagteils gemessen – nicht bis zur Zylinderöffnung im Beschlag, sondern bis zur äußersten Kante der Rosette oder des Langschilds.
| Messschritt | Bezugspunkt | Zielpunkt | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| 1. Türblatt öffnen | – | – | Zugang zur Stulpschraube im Falz |
| 2. Außenseite messen | Mitte Stulpschraube | Außenkante Beschlag/Rosette | Maß A |
| 3. Innenseite messen | Mitte Stulpschraube | Innenkante Beschlag/Rosette | Maß B |
| 4. Kontrolle | A + B | Herstellerangabe Gesamtlänge | Plausibilitätscheck |
Wer den alten Zylinder bereits ausgebaut hat, kann alternativ direkt am Bauteil messen: Gesamtlänge minus Kernbreite (in der Regel 17 mm, herstellerabhängig 16,5–17,5 mm) geteilt und dem Profilstift zugeordnet – dieser Weg ist jedoch fehleranfälliger als die Messung am eingebauten Beschlag.
Außenmaß korrekt erfassen
Das Außenmaß (A) verdient besondere Sorgfalt, wenn außen ein Schutzbeschlag mit größerer Bautiefe verbaut ist – etwa bei einbruchhemmenden Türen nach DIN EN 1303, wo dickere Schutzrosetten Standard sind. In solchen Fällen reicht die reine Türblattdicke nicht als Berechnungsgrundlage; die tatsächliche Beschlagstärke außen muss separat addiert werden. Praxistipp: Bei Zweifel lieber die passende Doppelzylinder Außenmaß-Rechner Berechnung gegenprüfen, statt nur die halbe Türstärke anzunehmen.
Innenmaß korrekt erfassen
Das Innenmaß (B) wird nach demselben Prinzip ermittelt, darf aber nicht als „Rest“ der Gesamtlänge geschätzt werden, sobald innen und außen unterschiedliche Beschlagtypen verbaut sind – etwa außen ein Sicherheits-Langschild, innen ein schlankes Rundrosetten-Set. Gerade bei nachträglich montierten Sicherheitsbeschlägen (z. B. mit Ziehschutz nach Widerstandsklasse ES1/ES2) unterscheidet sich die Bautiefe innen oft deutlich von außen, sodass A ≠ B die Regel und nicht die Ausnahme ist. Zur Kontrolle eignet sich der Doppelzylinder Innenmaß-Rechner.
Gesamtlänge als Plausibilitätskontrolle
Die Gesamtlänge selbst ist kein Bestellparameter, sondern eine Rechenkontrolle: Stimmt A + B nicht mit der am Türblatt oder am alten Zylinder ermittelten Gesamtlänge überein, liegt meist ein Zahlendreher oder eine vertauschte Messrichtung vor. Handelsübliche Profilzylinder werden in 5-mm-Schritten angeboten (z. B. 30/35, 30/40, 35/45), da die Kernlängen genormt sind. Liegt der reale Bedarf zwischen zwei Stufen, wählt man im Zweifel das nächstgrößere Maß und toleriert einen minimalen Überstand von 1–3 mm – ein zu kurzer Zylinder erzeugt dagegen eine Sicherheitslücke, weil der Schließbart nicht mehr sauber im Beschlag sitzt. Der Doppelzylinder Gesamtlänge-Prüfer rechnet dies automatisch gegen die nächste Normstufe durch.
Ersatzmessung oder Neu-Montage: Welcher Weg passt
| Kriterium | Ersatzmessung | Neu-Montage |
|---|---|---|
| Alter Zylinder vorhanden | Ja, direkt am Bauteil | Nein |
| Datengrundlage | A/B des ausgebauten Zylinders | Türblattdicke + Beschlagstärke außen/innen |
| Fehlerquelle | Verschleiß am alten Beschlag übersehen | Beschlagdicke falsch geschätzt |
| Typischer Anwendungsfall | Zylindertausch nach Schlüsselverlust, Verschleiß | Neueinbau, Beschlagwechsel, Sicherheitsupgrade |
| Empfohlenes Werkzeug | Ersatzmaß-Rechner | Außenmaß- + Innenmaß-Rechner kombiniert |
Ist der alte Zylinder noch eingebaut oder liegt griffbereit vor, ist die Ersatzmessung der zuverlässigste Weg: A und B werden direkt am Bauteil abgegriffen, ohne Umwege über Türblattdicke und Beschlagstärke. Fehlt der Referenzzylinder – etwa bei Neubau oder komplettem Beschlagwechsel – muss die Neu-Montage-Methode über Türblattdicke plus jeweilige Beschlagstärke außen und innen gerechnet werden, was eine Kontrolle über den Gesamtlänge-Prüfer besonders sinnvoll macht.
Sicherheitsklasse nicht vergessen
Neben der reinen Maßfrage lohnt bei einer Zylinderneubestellung der Blick auf die Sicherheitsklassifizierung nach DIN EN 1303:2015-08. Der achtstellige Klassifizierungsschlüssel kodiert unter anderem Gebrauchsklasse, Dauerhaftigkeit, Feuerwiderstand, Korrosionsbeständigkeit sowie – für die Einbruchhemmung entscheidend – sechs Klassen der Verschlusssicherheit und fünf Klassen für Angriffswiderstand (Bohr-, Zieh- und Aufbruchschutz). Wer im Zuge des Zylindertauschs ohnehin die Maße neu erfasst, sollte prüfen, ob der Ersatzzylinder mindestens der bisherigen Widerstandsklasse entspricht – ein Downgrade bei gleicher Maßpassung ist ein häufiger, aber vermeidbarer Fehler in der Praxis.

