Einsteckschloss Maße: Dornmaß, Entfernung und Nussmaß richtig bestimmen

Dornmaß, Entfernung und Nussmaß am Einsteckschloss korrekt messen: DIN 18251, DIN 18252 und DIN EN 1303 im Überblick – mit Tabellen, Rechnern und Praxistipps.

Ein Einsteckschloss lässt sich nur dann fehlerfrei austauschen, wenn vier Maße gleichzeitig stimmen: Dornmaß, Entfernung, Nussvierkant und Stulpmaße. Fehlt auch nur eines davon, passt der Drücker nicht, das Schließblech sitzt schief, oder der Zylinder ragt zu weit heraus. Hersteller kennzeichnen diese Werte meist direkt auf dem Stulp im Format „Stulpbreite/Dornmaß/Entfernung/Nuss“ – zum Beispiel F20/55/92/8. Wer diesen Code lesen kann, spart sich Fehlbestellungen und unnötige Rücksendungen.

Bauteile kurz eingeordnet

Bevor Maße Sinn ergeben, braucht es Klarheit über die Bauteile:

  • Falle – die schräge, federnd gelagerte Zunge, die die Tür ohne Schlüssel geschlossen hält.
  • Riegel – das massive Verriegelungselement, das erst durch Schlüssel- oder Zylinderdrehung ausfährt.
  • Nuss – das Bauteil mit quadratischer Aufnahme (Vierkantloch) für den Drückerstift; sie überträgt die Drückerbewegung auf die Falle.

Diese drei Elemente sitzen in festen Abständen zueinander und zum Stulp. Weicht die Geometrie vom vorhandenen Türblatt oder Beschlag ab, entstehen Probleme, die erst bei der Montage auffallen – nicht beim Blick auf die Verpackung.

Die vier Kaufmaße im Überblick

Maß Definition Typische Werte
Dornmaß Abstand Stulp-Vorderkante bis Mitte Nuss 55 mm (Zimmertür), 65 mm (Haustür), 35–45 mm (Rohrrahmen-/Alutür), 40–45 mm (Brandschutztür Metall)
Entfernung Abstand Mitte Nuss bis Mitte Zylinderbohrung 72 mm (Zimmertür), 92 mm (Haustür, Brandschutz, Mehrfachverriegelung)
Nussvierkant Kantenlänge des Vierkantlochs in der Nuss 8 mm (Standard Innentür), 9 mm (Brand-/Panikschlösser), 10 mm (Haustür)
Stulpmaße Breite × Länge des sichtbaren Schlossblechs 20 × 235 mm (bei 72 mm Entfernung), 24 × 280 mm (bei 92 mm Entfernung)

Diese Kombinationen sind keine willkürlichen Herstellerwerte, sondern historisch gewachsene Baustandards, die sich in DIN 18101 (Türmaße) und der DIN-18251-Reihe wiederfinden. Wer das vorhandene Schloss ausbaut und diese vier Werte mit dem Messschieber prüft, kann ein passendes Ersatzmodell direkt anhand der Herstellerangabe auswählen – ohne die Tür zerlegen zu müssen. Zur schnellen Kontrolle eignet sich der Einsteckschloss Entfernung-Prüfer, der die gemessene Entfernung gegen gängige Normwerte abgleicht.

Dornmaß richtig abgreifen

Das Dornmaß wird von der Vorderkante des Stulps bis zur Mitte der Nuss gemessen – nicht bis zur Zylindermitte, das ist ein häufiger Messfehler. Bei Holzzimmertüren liegt der Wert praktisch immer bei 55 mm, bei massiven Haustüren bei 65 mm. Rohrrahmentüren (verglaste Aluminiumtüren, oft im gewerblichen Bereich) weichen mit 35–45 mm deutlich ab, weil der schmale Profilquerschnitt kein größeres Dornmaß zulässt.

Entfernung: der zweite Kaufparameter

Die Entfernung beschreibt den Abstand von der Nussmitte zur Zylindermitte und entscheidet, wo Drücker und Profilzylinder im fertigen Türblatt zueinanderstehen. In Deutschland dominieren zwei Werte: 72 mm bei Innentüren und 92 mm bei Haustüren, Fluchttüren und Objekten mit Mehrfachverriegelung. Wichtig für die Praxis: Dornmaß und Entfernung müssen gemeinsam betrachtet werden, weil sie zusammen die Stulplänge festlegen (235 mm bzw. 280 mm). Ein Schloss mit richtigem Dornmaß, aber falscher Entfernung, passt trotzdem nicht ins vorhandene Türblatt.

Nussmaß nicht mit Dornmaß verwechseln

Das Nussmaß (Nussvierkant) betrifft ausschließlich die Kantenlänge des quadratischen Lochs, in das der Drückerstift greift – unabhängig von Dornmaß oder Entfernung. Standard bei Zimmertüren ist 8 mm, bei Haustüren häufig 10 mm, bei Brandschutz- und Paniktürsystemen 9 mm wegen der dort geforderten stabileren Kraftübertragung. Ein zu kleines Nussmaß führt zu Spiel und klapperndem Drücker, ein zu großes verhindert die Montage vollständig. Da Nussmaß, Dornmaß und Entfernung in der Bezeichnung oft nebeneinanderstehen, lohnt sich vor der Bestellung ein gezielter Abgleich mit dem Einsteckschloss Nussmaß-Rechner.

Abstand zwischen Falle und Riegel

Der Falle-Riegel-Abstand bestimmt, wie die beiden Ausschnitte im Schließblech (Kasten für Falle und Riegel) zueinander positioniert sind. Dieser Wert wird direkt am Schlosskörper gemessen, von Fallenmitte zu Riegelmitte, und muss zum vorhandenen oder neuen Schließblech passen. Bei genormten Serienprodukten ist dieser Abstand meist herstellerspezifisch fix, weicht aber zwischen älteren und aktuellen Baureihen teils ab – ein Grund, warum reine Sichtprüfung nicht ausreicht. Der hilft, den gemessenen Wert schnell gegen typische Schließblech-Ausschnitte zu prüfen, bevor neues Material bestellt wird.

Normen im Überblick: DIN 18251, DIN 18252, DIN EN 1303

Für Schlosser und Beschlaghersteller sind drei Normen relevant, die häufig verwechselt werden, weil sie unterschiedliche Aspekte desselben Bauteils regeln:

DIN 18251 (Schlösser – Einsteckschlösser und Mehrfachverriegelungen – Begriffe und Maße) definiert Bauformen, Funktionsklassen und die grundlegende Geometrie von Einsteckschlössern, inklusive der Sicherheitsklassen für Widerstand gegen Aufbruch (von „leichtes Innentürschloss“ bis „Behördenschloss“ mit erhöhter Einbruchhemmung, RC1 bis RC4). Teil 2 der Reihe behandelt speziell Einsteckschlösser für Rohrrahmentüren und wird inzwischen als Restnorm parallel zu DIN EN 12209 geführt, da die europäische Norm die maßlichen Festlegungen weitgehend übernommen hat.

DIN 18252 (aktuelle Fassung 2018-05) regelt ausschließlich Profilzylinder – Begriffe, Maße, Anforderungen, Prüfverfahren und Kennzeichnung, damit ein Zylinder unabhängig vom Hersteller in jedes normgerechte Einsteckschloss passt. Seit der Überarbeitung 2006 wurden die Widerstandsklassen umbenannt: Aus der alten Klasse P2 wurde Widerstandsklasse 1, aus P3 Widerstandsklasse 2. Die Kürzel BS (Bohrschutz) und BZ (Bohr- und Ziehschutz) kennzeichnen zusätzlich, gegen welche Angriffsmethoden der Zylinder gehärtet ist.

DIN EN 1303 (aktuell Ausgabe 2015, eine Revision als prEN 1303 befindet sich seit 2023 in Bearbeitung) klassifiziert Schließzylinder anhand eines achtstelligen Codes:

Stelle Kategorie Klassenanzahl
1 Gebrauchsklasse 1
2 Dauerhaftigkeit 3
3 Türmaße keine Klassifizierung
4 Feuerwiderstand 2
5 Betriebssicherheit 1
6 Korrosionsbeständigkeit/Temperatur 4
7 Verschlusssicherheit 6
8 Angriffswiderstand 3

Für die Praxis am wichtigsten sind Stelle 7 (Verschlusssicherheit, u. a. Mindestanzahl beweglicher Zuhaltungen und Nachschließsicherheit) und Stelle 8 (Angriffswiderstand gegen Bohren, Ziehen, Abdrehen). Ein Zylinder mit hoher Ziffer an Stelle 7 und 8 bietet spürbar mehr Einbruchschutz als ein Basismodell – ein Argument, das sich bei Kundengesprächen zur Türsicherheit gut vermitteln lässt.

Altbau-Schlösser: wenn Maße vom Standard abweichen

Bei Bestandsbauten vor den 1980er-Jahren und bei Sonderanfertigungen können Dornmaß, Entfernung oder Nussvierkant von den heutigen Normwerten abweichen – etwa 60 mm statt 55 mm Dornmaß oder ungewöhnliche Stulpbreiten. In solchen Fällen reicht die reine Sichtprüfung des alten Schlosses nicht aus. Sinnvoll ist ein Abgleich aller vier Maße gemeinsam, weil ein einzelner passender Wert (etwa richtige Entfernung) andere Abweichungen (falsches Nussmaß) leicht überdeckt. Wer beim Ausbau zusätzlich Fotos der Stulpkennzeichnung macht, kann Herstellerangaben oft direkt zuordnen und muss nicht jedes Maß neu vermessen.

Checkliste vor dem Neueinbau

Vor der Bestellung eines Ersatzschlosses empfiehlt sich diese Reihenfolge:

  1. Stulpkennzeichnung fotografieren und auf Code-Format (z. B. F20/55/92/8) prüfen.
  2. Dornmaß von Stulpkante bis Nussmitte messen.
  3. Entfernung von Nussmitte bis Zylindermitte messen.
  4. Nussvierkant mit Messschieber an der Kante, nicht diagonal, abgreifen.
  5. Falle-Riegel-Abstand am Schlosskörper kontrollieren, falls Schließblech getauscht wird.
  6. Alle vier Werte gegen die Angaben des neuen Schlosses abgleichen, bevor bestellt wird.

Für den schnellen Plausibilitätscheck aller Werte in einem Arbeitsgang steht das gesamte zur Verfügung – nützlich sowohl für Schlosser im Tagesgeschäft als auch für Einsteiger, die noch kein Gefühl für die üblichen Normwerte entwickelt haben.

Fehlt dir ein Rechner?
Schreib uns kurz, was dir fehlt — wir entwickeln unsere Rechner laufend weiter.